Vorträge 2026

Von Borneo bis Sansibar

Neues vom Internationalen Gärtneraustausch

Engagierte Gärtnerinnen und Gärtner aus Botanischen Gärten berichten von ihren Erfahrungen im Ausland. Darum ging es am 13. Januar 2026 in Hamburg im Hörsaal des Botanischen Instituts. Die Reisen waren von der Stiftung Internationaler Gärtneraustausch gefördert worden, die sich die fachliche gärtnerische Weiterbildung durch internationale Begegnungen zur Aufgabe gemacht hat. Der Gärtneraustausch wurde vor fast vierzig Jahren von Loki Schmidt ins Leben gerufen, er hat in dieser Zeit 273 Reisen nach und aus 47 Ländern gefördert und bildet gewissermaßen ein weltweites Netzwerk zur Vielfalt des Gärtnerns. Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat das so charakterisiert: „Denn Loki hat zwischen diesen Gärten einen immer noch funktionierenden Gärtneraustausch ins Leben gerufen, den ich für einzigartig halte. Nämlich insofern einzigartig, als sich tüchtige Handwerker gegenseitig besuchen, nämlich Gärtner, ohne die kein botanischer Garten existieren könnte. Hier werden weder Studenten noch Wissenschaftler ausgetauscht, sondern Handwerker.“

Am 13. Januar berichtete zuerst Jonathan Zerr von seinem Werdegang: Auszubildender am Botanischen Garten Hamburg, Junggärtner-Stipendium am Botanischen Garten Kew, weitere Ausbildung am Botanischen Garten Wisley, als Trainee tätig in Benton End, Garten des Gärtners und Künstlers Cedric Morris, im Jahr 2024 als Deutscher in England zum „Young Gardener of the Year“ gewählt. Inzwischen ist er auch Autor für das „Blätterrauschen“. Magdalena Fedus-Lutzmann und Martin Lutzmann-Fedus vom Botanischen Garten Würzburg haben auf gemeinsam Reisen nach Ecuador, Florida und Borneo die Vegetation dort erkundet und Pflanzen gesammelt. Sonja Helms und Philipp Osterndorff sind Ausbildungsleiter am Botanischen Garten Hamburg und machten deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen sie am Botanischen Garten Dar-Es-Salaam (Tansania) Fortbildungen für die unglaublich engagierten und wissbegierigen MitarbeiterInnen dort durchgeführt haben. Helge Masch unterhält mit seinem Botanischem Sondergarten Hamburg-Wandsbek seit langen Jahren eine Partnerschaft mit Belo Horizonte und war 2024 erneut in Brasilien, um seine Expertise beim Aufbau des Botanischen Gartens der Universität Campinas (Sao Paulo) einzubringen.

Die Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur war an diesem Abend Mitveranstalter, denn die berufliche Weiterbildung von Gärtnerinnen und Gärtnern ist auch ihr ein wichtiges Anliegen. Die Erlöse des seit 10 Jahren ehrenamtlich organisierten Pflanzenmarktes „Schneeglöckchenfest“ fließen in Projekte zur Förderung des Gärtnernachwuchs. Gärtnerische Professionalität wird in Zukunft immer wichtiger werden, wenn es darum geht, die Vielfalt der Pflanzen in einem sich wandelnden Weltklima zu erhalten. Dies war Thema bei einem Vorgespräch, an dem neben den Referentinnen und Referenten auch Linda Zimmermann von „Excellent Young Gardeners“ (EYG), Professor Jonas Reif von der Fachhochschule Erfurt und Anja Birne als Vizepräsidentin der Gartengesellschaft sowie die Fotografin Marion Nickig teilnahmen. Es wurde festgestellt, dass an den deutschen Hochschulen der Nachwuchs vor allem für die bauliche Herstellung von Gärten ausgebildet wird und die anschließende und oft sehr anspruchsvolle Pflege von Gärten und Anlagen in Deutschland bislang nicht für hochschulwürdig erachtet wird. Im Gegensatz zu England, wo es dafür diverse Ausbildungsgänge gibt. Initiativen wie „Excellent Young Gardeners“ oder der Internationale Gärtneraustausch schließen hier für Deutschland bislang eine wichtige Lücke.