Reiseberichte 2017

Im Jahr 2017 waren Gärtnerinnen und Gärtner auf sehr verschiedenen Reisen weltweit unterwegs. Ihre Berichte sind so unterschiedlich wie die Reisen und die beteiligten Personen. Alle eint, dass sie mit neuen Erkenntnissen neuen Erfahrungen und Ideen nach hause gefahren sind

München - Tromsø – München

Aus dem Münchner Botanischen Garten reiste Clara Friedrich im in den Tromsø Arctic-Alpine Botanical Garden. Als Gegenbesuch kam K. Nyvoll für zwei Besuche nach München, von wo er auch die Aussenstelle den Alpengarten auf dem Schachen besuchte.

Er berichtet:

I got the opportunity to take part in this exchange. However, it had to be before and after the main season in Tromsø. Thus, my period was divided in two: one week in April, and two weeks in August/September.

Und weiter:

I had a lovely time in Schachen! I’m bringing ideas back to Tromsø, and a lot of good impressions. I had a good time working along with the entire Schachen crew, and I enjoyed cooking and spending time together! It was all organized so well, making it very easy for me to come to München and Schachen. A special and most heartfelt thank you to Jenny Wainwright-Klein. I believe she got the most work, organizing the internships for me.

Finally, I would like to return and spend more time in Schachen! I also would like Jenny to come to Tromsø, and give a lecture on both South-African and North-American plants! I believe few others can give us better first hand advice on how to grow plants from the Drakensberg!

For the future I hope the exchange program will continue, and for the best of relations between Tromsø Arctic-Alpine Botanic Garden and Botanischer Garten München-Nymphenburg.

Hier der ganze Bericht auf Englisch:

Südafrika- Hamburg und Berlin

Mit der Kultur der hochsukkulenten Mittagablumengewächsen beschäftigt sich Neil Mac Donald in Südafrika. Er hat die etwas heikle und teilweise auch undankbare Aufgabe Arten dieser Familie und andere sukkulente Besonderheiten in einer Art Rettungsgärtnerei am Leben zu erhalten und sie für die Rekultivierung von Abbauflächen vorzubereiten.

Für den Südafrikaner ist es zum Beispiel bemerkenswert, dass in Hamburg die südafrikanischen Pflanzen im Gewächshaus kultiviert werden müssen, da draußen zu viel Regen fällt.

Er schreibt:

The first few days at Hamburg Botanical Garden I work with the Horticulturist in the Mesembryanthemum / succulent section. The Succulent section is being kept in a glasshouse because it rainfall is very high in Hamburg. We sow seeds from certain succulents’ plants and exchange information and ideas. We propagate also succulents and used different methods. I spend time with Epiphytes and the maintenance of these special plants. The right medium or soil conditions they required to grow in.

Hier sein englischer Bericht:

Namibiaexkursion deutscher Sukkulentengärtner

Vielleicht zum ersten Mal haben sich Gärtner verschiedener Botanischer Gärten aus ganz Deutschland zusammen getan und eine Bildungsreise nach Namibia gemacht. Der Großteil der Mitreisenden kümmert sich in der Heimat selbst um die vielfältige Sukkulentenwelt. Somit war es faszinierend, die daheim gepflegten Pflanzen in ihren natürlichen Habitaten und unter den dortigen Umweltbedingungen zu suchen, zu bestaunen und daraus für die eigene Kultivierung zu lernen.

Sie schreiben: Die Reise nach Namibia hat uns Gärtner, von denen sich einige vorher nicht einmal kannten, auch als Gruppe näher zusammengebracht. Namibia in dieser Gemeinschaft von Freunden zu erleben, die Erlebnisse zu teilen und Fachsimpelei über Pflanzenbestimmung und Kulturbedingungen auszutauschen, hat uns allen Freude gemacht.

Unser Weg führt uns weiter zwischen dunklem Doleritgestein zu den anderen Köcherbäumen. Es ist erstaunlich wie die Pflanzen ihre Wurzeln zwischen die Steine schieben und somit guten Halt haben. Auf manchen Steinen sitzen die Aloen regel-recht darauf. Wir finden auch Aloe hereroensis, Aloe littoralis sowie große Exemplare von Euphorbia lignosa. Die Blütezeit der Aloe dichotoma liegt in den Monaten Juni und Juli, wir sehen nur noch einige alte Samenstände. Erfreut waren wir vor allem über Jungpflanzen, die zwischen den alten Exemplaren standen und scheinbar alle ein Alter hatten. Als die Sonne langsam untergeht, erleben wir ein tolles Farbenspiel. Die Bäume werden in ein warmes goldenes Licht getaucht. Wir suchen uns einen schönen Platz und genießen das Schauspiel, dass uns dort geboten wird. […]

Im Lithoparium, das Teil der „Alten Kalkofen Lodge“ ist, gibt es eine komplette wunderbare Referenzsammlung aller 12 namibischen, 21 südafrikanischen und der vier in beiden Staaten vorkommenden Lithopsarten, plus ihrer Varietäten, in farblich passenden Gestein, zu besichtigen. An 450 Standorten wurden die Lithops gesammelt. Ganz nebenbei sind noch dutzende Conophyten, Aslepiadaceen und Avonien zu sehen  […]

Kurz vor Lüderitz, gleich nach Haalenberg hielten wir, um den auf der rechten Straßenseite liegenden Höhenzug zu erkunden. Da wir uns bereits in den nördlichen Ausläufern der Sukkulenten-Karroo befanden, waren die Erwartungen hoch. Obwohl der Großteil der Vegetation in Trockenruhe war, was  die Bestimmung der Pflanzen sehr schwer machte, waren wir begeistert von unseren Funden. Neben  schnell zu findenden Sarcocaulon, Pelargonien und Othonna, fanden wir nach intensiver Suche auch kleine Arten, wie die ersten Lithops, Conophytum, Tylecodon und Larryleachia.

[…]

Wir erfahren von Frau Koch, dass die Felsenfeige oft in Felsspalten keimt, dass die Federkränze an den Knoten von Stipagrostis ciliata (Langbeiniges Buschmanngras) die Ameisen abhält, den Stängel hoch zu klettern, dass Tribulus (Morgenstern) den Boden nach dem Regen festhält, da sie schnell keimen, wachsen und den Boden bedecken.

[…]

Bei der Ausfahrt aus dem Canyon fällt uns etwas von der Straße entfernt ein blühendes Exemplar von Hoodia currorii auf. Dies führt unweigerlich zum nächsten Stopp. Die Pflanze ist die größte, die wir auf der gesamten Tour gesehen haben und steht in voller Blüte. Ein Sukkulentengärtner-Traum J

Hoodia currorii (Apocynaceae), die Namib-Hoodia, ist die in diesem Gebiet häufigste Hoodia. Sie ist Hoodia gordonii sehr ähnlich, blüht aber deutlich später, nämlich Mitte bis Ende des namibischen Sommers, während H. gordonii im Frühjahr blüht. Durch ihre durst- und appetitzügelnde Wirkung sind ihre Bestände in der Vergangenheit leider sehr dezimiert worden. Umso schöner ist es natürlich, ein altes Exemplar in voller Blüte zu sehen.

[…]

 Der gesamte Bericht umfasst mehr als 100 Seiten und viele Bilder – sobald wir die Technik soweit haben, ist der Bericht dann hier auch abrufbar.

Bremen - Seattle

Bremen - USA, Seattle: Martin Monthofer ist Gärtner im Rhododendron-Park in Bremen. Für ihn ist die - nicht ganz einfachen – Vermehrung von Rhododendren ein wichtiges Thema, denn eine erfolgreiche Vermehrung ist für die Aufrechterhaltung der Sammlung unbedingt von Nöten! So reiste er zur Weiterbildung in die USA zur Rhododendron Species Foundation (RSF).

Aus seinem Bericht:

Sogleich begannen wir unseren Rundgang und ich war beeindruckt von den zahlreichen Rhododendronwildarten in verschiedenen Größen! Diese Pflanzen werden im garteneigenen Shop der RSF im Eingangsbereich im Frühjahr und Herbst an die Mitglieder der RSF und Besucher verkauft. Große Stückzahlen werden z.B. von Rh. williamsianum produziert. Laut Dennis und Steve ist dieser Rhodo ein echter Renner und zwar jedes Jahr! Mit dem Erlös aus dem Pflanzenverkauf verfügt die RSF über zusätzliche Einnahmen, mit denen sie wirtschaften kann.

Der nächste Tag begann für mich „produktiv“. Es wurden Stecklinge von Rhododendronwildarten im Garten geschnitten. Da das Pflanzenwachstum wegen des milden Klimas dort schon im Februar beginnt, können bereits Anfang Juni Rhododendronstecklinge zur Vermehrung geschnitten werden. Bei uns sind die Stecklinge erst ab Ende Juni reif, je nach Art bzw. Sorte, da bei uns das Frühjahr deutlich später beginnt; immerhin liegt Seattle auf dem 47ten und Bremen auf dem 53ten Breitengrad.

Nach dem Schnitt der Stecklinge werden Etiketten mit den notwendigen Informationen gefertigt. Diese beinhalten: Gattung, Art, Datum, Stückzahl, Seitenschnitt ja oder nein und Bewurzelungshormon ja oder nein. Jeder Arbeitsschritt wird genauestens in Form von Exceltabellen dokumentiert. Bis zur Verarbeitung wird das Stecklingsmaterial in einer Kühlbox gelagert. Es wird jeweils nur so viel geschnitten, wie am Tag verarbeitet werden kann.

Hier der komplette Bericht:

München - Batumi

München – Batumi, Georgien:

Der Botanische Garten München unterhält Kontakte mit dem Botanischen Garten in Batumi. Ein neues Projekt des Botanischen Gartens Batumi ist, einen Satellitengarten im Kleinen Kaukasus, am Guderzi-Pass auf 2000 m Höhe, anzulegen. Da der Botanische Garten München-Nymphenburg seit über 100 Jahren ebenfalls einen Alpengarten betreut, besteht eine hervorragende Möglichkeit die entsprechende Expertise in diesem Projekt einzubringen. Helmut Wiesmet aus München konnte mit seiner Expertise das Projekt sehr gut unterstützen.

Aus seinem Arbeitsbericht:

Zuerst galt es, das Gesteinsmaterial auf einer natürlichen Geröllhalde unter Augenschein zu nehmen um dann geeignete Felsblöcke mit Seilwinde und Muskelkraft auf einen russischen Ural-Laster zu verladen.Das Gestein ist vulkanischen Ursprungs und gehört zu der Gruppe von Porphyren, es ist relativ leicht und so gut zu verarbeiten.

Bei der Gesteins-Auswahl ist vor allem auf solche mit Rissen und kleinen Mulden (für die Felsspalten-Gesellschaft) und unebenen Flächen und ähnlichen Kanten geachtet worden. Dadurch ergeben sich natürlich aussehende Fugen und Spalten mit gleichmäßiger Breite.

[…] Der Kern eines aufzubauenden Felshügels besteht zumeist aus unbrauchbaren Rundlingen. Die Zwischenräume sind mit Schotter verfüllt. Darauf kommen, je nach Bedarf, eine zweite oder dritte Lage Felsen. Vorher muss in Spalten-/Fugennähe Pflanzsubstrat, bestehend aus Erde, Sand und Kompost im Verhältnis 1:1:1, eingebracht werden. Die Felsen des Bodenebenen Rings sind in einer Erdmulde auf Sand gesetzt.

Hier der komplette Bericht:

Talca - Dresden

Talca, Chile – Dresden: Der Botanische Garten Dresden hat eine lange und gute Verbindung nach Talca. In diesem Jahr war der  chilenische Gärtner Miguel Tapeia in Dresden zu Gast.  Miguel Tapia  ist in Talca verantwortlich für die Pflanzenanzucht und die Baumschule im Botanischen Garten

Er berichtet: 

Am ersten Tag in Dresden stellte mir Barbara Ditsch, Kustodin des Botanischen Gartens, den Garten während eines Rundgangs vor. In den nächsten Tagen lernte ich die verschiedenen Reviere des Gartens, die Gärtner und ihre jeweiligen Aufgaben kennen. Beeindruckend die große Pflanzenvielfalt auf relativ kleinem Raum. Das Revier für chilenische Pflanzen ist reicht klein. Man hofft aber, durch die erst vor kurzem erhaltene Erweiterungsfläche, in Zukunft mehr chilenische Pflanzen im Freiland kultivieren zu können. Viele der gezeigten Arten (auch als Kübelpflanzen) wurden von den Gärtnern während ihres von der Stiftung für Internationalen Gärtneraustauch geförderten Aufenthalts am Wildstandort in Chile gesammelt.

Besonders interessierte ich mich natürlich für die verschiedenen Anzuchtsmethoden die in Dresden angewendet werden (Einjährige, Stauden, Sukkulenten). Vielen Dank an alle Gaertner die mir mit viel Geduld (auch aufgrund der Sprachschwierigkeiten) alles erklärt und praktisch vorgeführt haben. Natürlich durfte ich auch selbst mitarbeiten (umtopfen, aussäen, Unkraut jäten).

 Hier der ganze Bericht:

 

Hamburg - Göteborg

 Hamburg – Göteborg: Eine Kurzreise führte Gärtnerinnen und Gärtner aus dem Hamburger Botanischen Garten nach Göteborg  - der Austausch und Kontakt mit den Göteborger Kollegen ist so gut, dass schon diese Kurzreise für viel Austausch und Anregung sorgte.

Aus dem Bericht:

Mittwoch, 14.06.2017: Heute bleiben wir überwiegend vor Ort, die Kollegen teilen sich auf und wir besichtigen den Botanischen Garten in Ruhe je nach Interessenschwerpunkt.Die Pflanzenwunschliste an die Gartenleitung ist entsprechend lang…wir hoffen, dass das Saatgut wie versprochen noch diesen Winter bei uns eintrifft.

Ulrich und Micha „ernten“ einen Riesensteckling von einem Kaktus, Trichocereus terscheckii, der an dem Standort im Schauhaus entfernt werden muss.

Hier der ganze Bericht:

Shanghai - Hamburg

Shanghai – Hamburg: Yun Jiang und Li Shao aus Shanghai waren im Sommer zwei Monate in Hamburg zu Gast. Der Austausch zwischen beiden Gärten der Partnerstädte ist mittlerweile eine schöne und spannende Tradition.

Zwei geplante Reisen

Zwei geplante Reisen  - von Berlin nach Kew Gardens und von Hamburg nach Shanghai - konnten aus privaten bzw. betrieblichen Gründen nicht in diesem Jahr statt finden. In Absprache mit der Stiftung wurden die Reisen verschoben und können, wenn es seitens der Gärtner möglich ist, im Jahr 2018nachgeholt werden.