Reiseberichte 2018

Von den Reisen im Jahr 2018 haben die Gärtnerinnen und Gärtner sehr anschauliche Berichte vorgelegt. Es hat uns sehr gefreut, dass der Botanischen Garten in Jerusalem von zwei Auszubildenden aus dem Hamburger Botanischen Garten besucht wurde. Denn aus diesem Kontakt ging der Gärtnerausatusch hervor.

 

Bayreuth - Canberra

Anna Reichel arbeitet im Botanischen Garten in Bayreuth. Sie ist dort für die australischen Kübelpflanzen verantwortlich. Sie hatte die Möglichkeit im Australian National Botanic Gardens (ANBG) in Canberra ein Praktikum zu machen:

Aus ihrem Bericht: In der Arbeit angekommen beginnen wir damit einige leere Stellen zu bepflanzen. Hier erfahre ich, dass Brachyscome [blaue Gänseblümchen] australische Pflanzen sind. War mir nicht bewusst. Auch Scaevola [Blaue Fächerblume ]kommt ursprünglich von diesem Kontinent. Bei uns werden beide als Saisonpflanzen genutzt. Und leider muss auch in Australien Unkraut gemacht werden. Über Oxalis wird hier genauso geflucht wie in Deutschland und ich versuche das Mistkraut mit der Wurzel herauszubekommen. Die Australier sind erfreut über meinen deutschen Tatendrang beim Unkraut machen, auch Löwenzahn, Springkraut und Vogelmiere gehören hier, wie bei uns, zu den unbeliebten Beikräutern.

Exkursion nach Costa Rica

Markus Rauscher (Botanischer Garten Tübingen) und Ulrich Hörner (Botanischer Garten Hamburg) nutzten die Möglichkeit mit einer Exkursionsgruppe der Uni Göttingen die Pflanzenwelt Costa Ricas kennenzulernen.

Das kleine Land Costa Rica ist nur etwa so groß wie Niedersachsen, beherbergt auf dieser Fläche aber ca. 5% der globalen Artenvielfalt. Grund dafür sind zwei Ozeane, Mangroven, Regenwälder im Süden, saisonale Trockenwälder im Norden, Bergregenwälder und tropische Hochgebirge sowie einige aktive Vulkane.

Neun Tage verbrachten wir im Tieflandregenwald. Einen Tag im Nationalpark Braulio

Carillo, acht Tage in der Tropenstation La Gamba. Im Süden wird das Nationalparkareal durch den Golfo Dulce und im Nordwesten durch den Rio Esquinas begrenzt, weshalb der Wald auch Bosque Esquinas genannt wird. Aufgrund geografischer und erdgeschichtlicher Gegebenheiten ist dieser Wald mit ca. 3.000 verschiedenen Gefäßpflanzenarten der artenreichste Wald Mittelamerikas und zählt zu den artenreichsten Wäldern der Erde!

München - Arnold Arboretum, Boston

Aus dem Münchner Botanischen Garten reiste Pierre Steppke nach Boston, in das Arnold Arboretum.

Baumpflege war das Thema des Aufenthaltes: Die nächsten Tage habe ich zusammen mit der Baumpflege-Crew in den Bäumen der Eschen-Sammlung verbracht. Es war super, sich über diverse Aufstiegssysteme, Klettertechniken oder Anwendungen in der Baumpflege unterhalten zu können. Am Donnerstag hatte ich zusammen mit Benjamin Kirby eine Gruppe von Praktikanten, denen wir die Seilklettertechnik zeigen und ihnen das sichere Bewegen in der Baumkrone verdeutlichen sollten.“

München - Katse, Lesotho

Jenny Wainwright-Klein, Clara Friedrich und Andreas Gröger aus München reisten nach Lesotho. Die Zusammenarbeit mit Katse Botanical Garden zählt für München zu den erfolgreichsten Kooperationsprojekten. Im Mittelpunkt standen seit 2005 mehrere wechselseitige Arbeitsaufenthalte, wovon die meisten von der Stiftung Internationaler Gärtnertausch finanziell unterstützt wurden.

Arbeitsaufenthalt in Katse Botanical Garden: Auf dem Weg nach Katse halten wir auf dem Latisoka Pass, um eine beeindruckende Population von Euphorbia clavarioides zu bewundern. Hier schneiden wir auch Stecklingsmaterial verschiedener Arten, an denen wir in Katse Methoden zur vegetativen Vermehrung demonstrieren wollen.

Bei einem geführten Rundgang haben wir die Gelegenheit, Neuerungen im Garten zu entdecken und gestalterische und kulturtechnische Maßnahmen zu diskutieren. Es freut uns zu sehen, dass Teile der mit uns, im Jahr 2010 gestalteten Gartenbereiche noch gepflegt und teilweise erweitert worden sind.

(…) Am 13. Februar führen wir die praktischen Arbeiten fort. Diesmal konzentrieren wir uns auf die Samenvermehrung, insbesondere für Arten, die schwierig keimen. Zu den Methoden die Keimruhe zu brechen, zählt die Rauchbehandlung, die auf zweierlei Weise durchgeführt werden kann

Hamburg - Innsbruck

Philipp Bornemann reiste vom Flachland in die Berge

 Seit November 2014 habe ich die Revierleitung für das Freilandrevier Alpinum im Hamburger Garten übernommen. Wichtige Kernbereiche des Hamburger Alpinums sind unter anderem die „ Kalkalpen „ und die „Zentralalpen“, wo diese Lebensbereiche mit Ihren Pflanzengesellschaften im Kleinen dargestellt werden und so auch den Studenten und ihren Lehrkräften zur Verfügung stehen.

Diese Hintergründe gaben mir den Anreiz, sich mit der gärtnerischen Praxis im Botanischen Garten Innsbruck auseinander setzen, um Kenntnisse und Fertigkeiten im besten Fall auf die hiesigen Bedingungen des Alpinums übertragen und damit auch verbessern zu können. (…) Für das Jäten zwischen den Steinen, wird auch diese kleine, für den Garten hergestellte pfiffige Spitz-Hacke verwendet.

(…) Auf dem Anstieg zur Adolf-Pichler-Hütte bis zum Ziel, der Kleinen Ochsenwand werden uns in diesem kalkhaltigen Gestein über achtzig verschiedene Pflanzen in Ihren jeweiligen Habitaten vorgestellt und Besonderheiten erklärt.

 

Bayreuth - Talca, Chile

Rene Huber: Internationaler Gärtneraustausch zwischen dem Jardín Botánico der Universidad de Talca/Chile und dem Ökologisch- Botanischen Garten Bayreuth, Rene Huber berichtet von seinem Aufenthalt in Talca:

Mein zweiter Kollege, mit dem ich regelmäßig arbeitete, war Misael, der dortige Nutzpflanzengärtner, den ich auch gerne für den Gegenaustausch nach Bayreuth vorschlagen würde. Die Hauptarbeit mit ihm bestand aus dem Anlegen eines großen Beetes für Zier- und Nutzpflanzen.

Beide Kollegen waren sehr geduldig mit meinen anfänglichen Sprachschwierigkeiten, lehrten mir sehr viel und waren stolz auf meine Fortschritte.

Ich möchte allen danken, die mir diese aufregende Zeit in Chile ermöglicht und dazu beigetragen haben, sie zu einem lehrreichen und unvergesslichen Abschnitt meines Lebens gemacht zu haben.

 

Berlin - Kew Gardens

Constanze Ludwig musste ihre Reise nach Kew um ein Jahr verschieben, aber das Warten hat sich gelohnt:

Schon seit dem Beginn meines Berufslebens als Gärtnerin, hatte ich den Wunsch einmal im Kew Garden, in Form einer Fortbildung, zu arbeiten.

Die Größe des Gartens mit 130 ha ist sehr beeindruckend. Drei Sichtachsen die zu einem Dreieck aufeinander zulaufen, machen die Größe des Gartens deutlich. Es erscheint unmöglich den Garten mit einmal zu erfassen. Die umfangreichen Sammlungen von Eschen, Ahorn, Eichen, Buchen, Kastanien und auch Koniferen sind nicht nur durch ihre Vielzahl, sondern auch durch ihre Größe und Wuchsform, das ihr Alter erahnen lässt, einmalig. Allein im Arboretum stehen 14.000 Bäume die 2.000 verschiedene Arten beinhalten. Die umfangreichen Sammlungen begegnen einem überall, im Garten wie auch in den Gewächshäusern.

Hamburg - Jerusalem, Junggärtneraustausch

Jana Henschel und Klara Korb haben ihre Ausbildung zur Gärtnerin im Botanischen Garten Hamburg mitlerweile abgeschlossen – sie waren als Junggärtnerinnen auf den Spuren des Gärtneraustausches in Jerusalem.

Aus ihrem Bericht: Am Sonntag ging es dann weiter nach Jerusalem. In Israel ist der Sonntag ein normaler Arbeitstag, während der Freitag schon zum Wochenende zählt. Wir hatten uns für eine Zugfahrt entschieden, die zwar viel länger als eine Busreise dauerte, dafür aber durch eine wunderschöne Bergregion nach Jerusalem führt.

 Am Dienstag nahm uns Michael Avishai, der ehemalige wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, mit auf eine kleine Tour über den Campus der Hebräischen Universität Jerusalem. Heute arbeitet er ehrenamtlich im Garten. Während eines Besuchs in Hamburg lernte er Loki Schmidt kennen und freute sich umso mehr, dass wir mit unserem Besuch die Freundschaft zwischen den beiden Gärten stärkten.

Hamburg - Bogor, Indonesien, Junggärtneraustausch

Arnaldy Indra Prasetya und Tim Reich sind als Gärtner-Auszubildende im letzten Lehrjahr auf Reisen gegangen. Der Botanische Garten Bogor, Indonesien war ihr Ziel. Aus ihrem Bericht:

Wednesday – 31st January 2018

Visiting nursery for collection plants. I saw and learned how they absolutely take care of the collection plants before it will be planted. The new nursery already renovated, looks like more space for many seedling and another collection plants.

And then visiting seed bank, there are lots of seed viz. 108 family, 320 genus and 492 species with total sum of seeds ca. 1,9 Million.

Thursday - 1st February 2018

Seeing the registration process of new collection plants before planting the plants. Learning to get data collection of new collection plants, it necessarily need to gathering and measuring information from a variety of sources to get a accurate and complete database. Labelling the new collection plants is a important part or a must. Therefore it can help to identify the plant. Things to include on label would be the name of collector, date, plant name, and place where it was found.

 

Bochum - Singapur, Junggärtneraustausch

Lukasz Wisniewski reiste von Bochum nach Singapur:

Der Botanische Garten ist 74 Hektar groß und gehört zu den meist besuchten botanischen Gärten der Welt. Die Artenvielfalt der Tropen zum ersten Mal selbst zu erleben, war überwältigend. Mit großer Begeisterung beobachtete ich Pflanzen, die ich bisher nur in Kultur kannte, an ihrem natürlichen Standort. So sah ich die in unseren Gewächshäusern oft schwächelnde Pyrrosia piloselloides, hier in voller Sonne auf dünnen Ästen ohne jegliches Substrat oder Moos, gedeihen. Das gleiche sah ich bei Pyrrosia longifolia, welche in Singapur sehr hoch oben auf Bäumen in voller Sonne wächst. Zudem ist mir aufgefallen, wie jeder zweite Baum von den verschiedensten Epiphyten überwuchert war.

Mein Aufenthalt fiel zufällig in Zeit, in der im NGO die große jährliche Orchideen Show vorbereitet wurde. Hier gab es nun viel zu tun, denn große Mengen von Pflanzen wurden täglich geliefert, um die Show großartig zu gestalten. Für die Gestaltung wurden nicht nur Pflanzen verwendet, sondern auch große Mengen an Vulkangestein, Ästen und Plastikfiguren, welche asiatisch geprägt waren. Die Vorbereitungen dauerten eine Woche. Auch private Orchideen-Händler aus der Umgebung konnten ihre Pflanzen ausstellen und verkaufen.